ALFRED CZERNY (1934-2013)
Alfred Czerny ist ein eigenständiger Bildhauer, der sich aus der Wotruba-Schule heraus entwickelt hat. Er ist in einer Reihe mit Andreas Urteil, Roland Goeschl, Alfred Hrdlicka und Joannis Avramidis zu nennen. Dennoch ist Alfred Czerny viel zu wenig bekannt. Das liegt daran, dass er sich Zeit seines Lebens bewusst außerhalb dessen stellte, was man den „Kunstbetrieb“ nennt. Durch die Aufmerksamkeit, die man Czerny als jungen Künstler entgegenbrachte, stand er zwangsläufig im Licht der Öffentlichkeit und wurde Teil des Kunstbetriebs, den er aufgrund seines unbändigen Freiheitsdranges aber zutiefst ablehnte. Deshalb zog er sich schon früh davon zurück und führte sein eigenes Leben in selbstgewählter Isolation. Viele von Alfred Czernys Werken sind in öffentlichen Sammlungen (Belvedere, Landesmuseum NÖ u.a.) und auch in einschlägigen Katalogen dokumentiert. Die meisten seiner Arbeiten finden sich jedoch in Privatsammlungen. Seine Sammler und Förderer (u.a. Manfred Mautner-Markhof, dessen Tochter Christiana Schönborn-Buchheim, Alexander Tinti, Willibald und Christian Hauer, Franz Auersperg) ermöglichten es Czerny, sein Leben ganz nach seinen Vorstellungen zu führen, fern aller gesellschaftlichen Konventionen. Alfred Czerny hatte nie ein Atelier. Er arbeitete immer in den Räumen, die ihm gerade zur Verfügung standen, oder im Freien. Die meiste Zeit seines Lebens lebte er auf dem Land, er liebte Tiere über alles, vor allem aber Pferde.Oft war es schwer, zusammen mit den vielen Pferden eine dauerhafte Bleibe zu finden. Oftmalige Ortswechsel von 1963 bis 1974 waren die Folge. Czerny machte es seinen Unterkunftgebern nicht immer leicht, auch bei den Kulturverantwortlichen stieß seine Lebensweise mitunter auf großes Unverständnis. Alfred Czerny nahm nicht gerne Aufträge an, ein vollkommen freies Arbeiten war ihm wichtiger als die Anerkennung durch die Auftraggeber und die damit verbundene Honorierung. Mit seinem Studienkollegen Andreas Urteil war Czerny bis zu dessen frühem Tod befreundet. Joannis Avramidis, der ebenfalls sein Studienkollege war, beeinflusste Czerny nachhaltig, was insbesondere in der strengen Linienführung seiner Aktzeichnungen zum Ausdruck kommt. Der Schwerpunkt in Czernys Bildhauerei liegt in der Kleinplastik. Ein angeborenes Hüftleiden machte ihm schon in der Jugend zu schaffen und machte das Arbeiten in Stein zunehmend unmöglich. Von den 1970er-Jahren bis Anfang der 1980er-Jahre formte Czerny mit dem Lötkolben an die hundert Pferdchen aus Lötzinn und Blei, auch ca. 30 Stiere und einige Hunde. Erst nach erfolgreicher Operation beider Hüftgelenke 1983 und 1984 konnte Czerny wieder größere Steine bearbeiten. 1994 verschlechterte sich sein Gesundheitszustand erneut, Czerny musste endgültig nach Wien ziehen. Dort wandte er sich wieder dem Modellieren zu. Das Œuvre Alfred Czernys ist im Vergleich zu den Werken seiner Zeitgenossen vielfältiger, sowohl abstrakt als auch realistisch. Frauenfiguren bilden einen Schwerpunkt, einen zweiten Pferde, aber auch „Idole“, Porträts, Stiere, „erfundene Skulpturen“ und schließlich Katzenköpfe aus Speckstein (in seinen letzten Lebensjahren konnte Czerny sich aus gesundheitlichen Gründen nur noch Katzen halten). Im zeichnerischen Werk dominieren weibliche Akte, Pferde, Stiere, Landschaften und Entwürfe zu Plastiken. Am Ende seines Lebens kam Czerny wieder auf das Bemalen von Keramikgegenständen zurück, womit er sich schon an der Akademie befasst hatte. Diese Tätigkeit machte ihm keine körperlichen Probleme, und er widmete sich ihr von 2008 bis 2011 mit großer Hingabe und Begeisterung. Abschließend mögen noch zwei Kunstsachverständige über das Werk von Alfred Czerny zu Wort kommen: „Der Künstler gehört ganz zu jener Schar moderner Bildhauer, die nach einer Erneuerung der Skulptur aus humanem Geiste streben. Alfred Czerny will nicht „interessant“ um jeden Preis sein. Er setzt sich der tellurischen, der irdischen Natur nicht partout als eine Gegenkraft, als ein ganz Eigener, ganz Anderer, nicht als ein Wesen gleichsam von einem anderen Stern, entgegen. Er ist in sie verliebt, er belauscht sie. Mit der Sicherheit seines jungen Talents stellt er Dinge aus sich heraus, denen eine kräftige Anmut eignet und die in einem sehr alten, sehr schönen Sinn „schön“ sind“ (Johann Muschik, Text zu: „Alfred Czerny. Plastiken und Graphiken“, Galerie Fuchs, Wien, 1962). „Als Schüler Fritz Wotrubas gehört Czerny zur Bildhauergeneration von Joannis Avramidis, Andreas Urteil, Roland Goeschl, Oskar Bottoli, Wander Bertoni. Im Unterschied zu den anderen Genannten weist das Schaffen von Alfred Czerny allerdings eine größere Variabilität sowohl in inhaltlicher als auch in formaler Hinsicht auf. Nicht Prinzipienlosigkeit, sondern die Lust am Erproben lässt Czerny virtuos einmal ein abstraktes, organisches Formenvokabular vortragen, ein anderes Mal präzise einen Porträtkopf gestalten.“ (Klaus Albrecht Schröder, Text zur Ausstellung von Plastiken und Graphiken von Alfred Czerny im Palais Wenkheim, Wien, 1995)
Aktualisierung: April 2017